Elisa Garrett
Die russische Stadt Kaliningrad hieß nicht immer so. Bis 1946 trug diese Stadt den Namen Königsberg. Während die Stadt heute zu Russland gehört, wurde sie ehemals von den Deutschen bewohnt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde sie Teil der Sowjetunion und bekam ihren heutigen Namen. Diese Entwicklung erklärt auch den seltsamen Standort: Kaliningrad liegt an der Ostsee und ist weit von anderen russischen Städten entfernt.
Schon im Mittelalter kamen viele Kaufleute in das Gebiet. Grund dafür war die besondere Lage am Hafen: Sie ermöglichte den Handel über das Meer. So wurde Königsberg zu einer sehr wichtigen Stadt. 1724 – also vor gut 300 Jahren – wurde sie schließlich zur königlichen Haupt- und Residenzstadt Preußens ernannt. Das Land Preußen lag zwischen Pommern, Polen und Litauen und hörte mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs ebenfalls auf zu existieren. In Königsberg wurde für die preußischen Herrscher ein Schloss gebaut. Daran ließen sich bereits Reichtum und Macht erkennen: Auch der neue König wurde stets im Königsberger Dom gekrönt. Weitere bekannte Gebäude sind die Albertus-Universität Königsberg und das Bernsteinmuseum. Der erste König von Preußen ließ ein komplettes Zimmer aus Bernstein errichten, welches bis heute verschollen bleibt und noch immer gesucht wird.
Nach der Gründung des Deutschen Kaiserreichs 1871 war Königsberg die größte Stadt im Osten. Zum Ende des Zweiten Weltkriegs flohen viele in den Westen oder wurden dorthin vertrieben. Anschließend wurde Königsberg von Russen besiedelt. Bald darauf veranlasste Josef Stalin die Umbenennung der Stadt. Dieser Name geht auf einen hochrangigen sowjetischen Politiker zurück – Michail Kalinin.
Kaliningrad ist nicht von Russland umgeben, sondern liegt zwischen Polen und Litauen. Trotzdem gehört die Stadt zur Russischen Föderation. Nachdem viele Gebäude aus dem ehemaligen Königsberg zerstört und neugebaut wurden, bietet sich ein direkter Vergleich von damals und heute an.
Elisa Garrett
Im heutigen Kaliningrad lebten einst viele berühmte Personen. Als Kaliningrad noch Königsberg hieß, war die Stadt Geburtsort zahlreicher Künstler, Philosophen und Schriftsteller. Sie prägen die Geschichte der Stadt und lassen Königsberg weiterleben. Drei von ihnen sind E. T. A. Hoffmann, Immanuel Kant und Johann Christoph Gottsched.
E. T. A. Hoffmann war ein wichtiger Schriftsteller der Romantik und gilt als großer Fantast der deutschen Literatur. Er wurde 1776 in Königsberg geboren und verbrachte dort den Großteil seines Lebens. Hoffmann ging dort zur Schule, besuchte die Königsberger Universität und schloss sein Studium ab. Schließlich verließ er Königsberg und zog mit seiner Verlobten nach Berlin. Trotzdem war Hoffmann schon damals in Russland bekannt: Seine Erzählungen waren sehr verbreitet und wurden in verschiedene Sprachen übersetzt – so auch ins Russische. „Nussknacker und Mäusekönig“ gehört bis heute zu den beliebtesten Kindermärchen. In Russland diente es seit dem 19. Jahrhundert als anziehendes Motiv für verschiedene Künstler. Obwohl Hoffmann kein Russe ist, wird er da enorm verehrt. Man sagt, der Schriftsteller lebe heute in Russland weiter.
Rund 50 Jahre zuvor – im Jahr 1724 – wurde Immanuel Kant geboren. Der berühmte Philosoph lehrte an der Königsberger Universität, als Hoffmann dort studierte. Im Gegensatz zu Hoffmann blieb Kant fast sein ganzes Leben lang in Königsberg. Noch heute kann man sein Grabmal an der Außenseite des Königsberger Doms besichtigen. 1864 wurde ihm zu Ehren ein Denkmal gebaut, das im Zweiten Weltkrieg jedoch zerstört wurde. Erst Ende der 90er Jahre wurde es nachgebaut und erneut in Kaliningrad aufgestellt. Weiterhin gab es im Königsberger Schloss eine Kant-Gedenktafel, von der ebenfalls nur noch eine Nachbildung existiert. Trotz der Zerstörung im Krieg steht Kant in enger Verbindung zu seinem Geburtsort und hat große Bedeutung für Russland. Sein wichtigster Leitsatz lautet: Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen. Man soll also selbst denken, statt andere für sich denken zu lassen.
Weniger verehrt – und dennoch sehr bekannt – ist Johann Christoph Gottsched. Der Schriftsteller wurde um 1700 im Herzogtum Preußen, genauer gesagt in Juditten, geboren. Damals war Juditten ein Vorort von Königsberg, heute ist es ein Stadtteil von Kaliningrad. Auch geografisch hat es demnach Änderungen gegeben. Gottsched studierte wie Hoffmann an der Universität in Königsberg. Sein Studium begann er bereits mit vierzehn Jahren, er war also noch sehr jung. Gemeinsam mit seinem Professor setzte er sich dafür ein, die Literatur moderner zu machen. Durch ihn wurde vor allem die Sprache verständlicher. In der damaligen Zeit war die Literatur sehr künstlich und voll von Metaphern. Sie war so überladen, dass die inhaltliche Aussage in den Hintergrund trat. Gottsched etablierte eine Sprache, die jeder versteht. Das brachte viele Veränderungen in die Literatur – so wuchs zum Beispiel die Anzahl der Leser. Durch ihn orientierte sich die literarische Sprache näher am Volk.
Wilhelm Kropp
Bei unserem Schüleraustausch mit unserer Gastschule in Kaliningrad haben wir, Schüler der 8b und zwei Lehrer, neben anderen Sehenswürdigkeiten auch das weltberühmte Bernsteinmuseum besucht, eines der berühmtesten der Welt. Edler Schmuck und andere kostbare Gegenstände aus Bernstein werden in den Vitrinen gezeigt. Der Besuch hat Lust auf einen Ausflug nach Jantarnyj gemacht. Einige Gasteltern aus Kaliningrad hatten eine Exkursion an diesen kleinen Küstenort in der Nähe Kaliningrads vorbereitet. Er ist berühmt, weil dort Bernstein gefunden wird. Früher hat man ihn an der Küste gesucht und gesammelt, heute wird dieser wertvolle Grundstoff industriell aus großen Lagerstätten gefördert.
Vor Millionen Jahren wuchsen in dieser Gegend riesige Nadelwälder. Im Lauf der der Zeit sind sie untergegangen. Aus dem Harz dieser Bäume wurde Bernstein. Seit jeher wird er an der Ostseeküste an Land gespült. Schon in der Antike wurde für Fürsten und andere Adelige Schmuck daraus hergestellt.
Auch heute ist Bernstein noch begehrt und es gibt Menschen, die an der Küste Bernstein suchen. Man kann ihn vor allem nach Stürmen am Strand finden, wenn das Wasser den Untergrund aufgewühlt hat.
Als wir Schüler mit einigen Lehrern und Gasteltern in Jantarnyj am Strand waren, hat es leider nicht gestürmt. Das Wetter war ganz ruhig. Wir gingen am Strand spazieren. Heimlich träumte mancher davon, ein Stück Bernstein zu finden. Alle paar Schritte bückte sich der eine oder der andere und hob etwas aus dem Sand. Bernstein sieht meist ganz unscheinbar aus und ist nicht gleich zu erkennen.
Es wurde langsam Abend und wir waren fast auf dem Heimweg. Da fiel Paul ein kleiner Gegenstand auf, er nahm ihn aus dem Wasser, trocknete ihn und zeigte ihn den anderen. Vielleicht handelt es sich um Bernstein, dachte er und steckte das Fundstück in seine Tasche.
Später, in einer Bernsteinschleiferei, wurde ihm bestätigt, dass er einen echten Bernstein gefunden hatte. Natürlich hatte das Fundstück noch nicht seine schöne Farbe. In der Werkstatt sagte man ihm, dass der Bernstein erst nach einer speziellen Behandlung seine Färbung erhält. Mal leuchtet er goldgelb wie Honig, mal ist er milchig und matt, aber immer wunderschön! Alle beglückwünschten ihn zu seinem Fund.